Monatsarchiv für Juni 2009

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Bundestag beschließt neues BSI-Gesetz

“Mit den Stimmen der großen Koalition hat der Bundestag mitten in der Nacht von Donnerstag auf Freitag den umstrittenen Gesetzesentwurf zur Kompetenzerweiterung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verabschiedet. Das spärlich besetzte Parlamentsplenum übernahm dabei die Änderungen aus dem Innenausschuss, mit denen die zunächst von der Bundesregierung geplanten Überwachungsbefugnisse etwas entschärft werden. Die Opposition votierte wegen Datenschutzbedenken geschlossen gegen das Vorhaben. Eine Aussprache fand aufgrund der vorgerückten Stunde nicht mehr statt; die vorgesehenen Redebeiträge wurden nur zu Protokoll gegeben.”

Das “Gesetz zur Stärkung der Sicherheit in der Informationstechnik des Bundes” soll dem BSI mehr Mittel an die Hand geben, um Angriffe auf die IT-Infrastruktur des Bundes abzuwehren. Um Schadprogramme besser aufspüren zu können, darf die Bonner Behörde künftig alle “Protokolldaten” einschließlich personenbeziehbarer Nutzerinformationen wie IP-Adressen unbegrenzt speichern und automatisiert auswerten, die bei der Online-Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltungseinrichtungen des Bundes anfallen. Vor allem E-Mail-Adressen sollen dabei herausgefiltert und durch Pseudonyme ersetzt werden, um die Erstellung von Kommunikationsprofilen zu verhindern. Eine zu protokollierende “Entpseudonymisierung” darf erfolgen, wenn dies für die Weiterverarbeitung etwa bei bestätigten Verdachtsfällen hinsichtlich eines Schadprogramms oder zur Warnung der Betroffenen erforderlich ist.

Die anfangs vorgesehene allgemeine Befugnis zur Übermittlung der Daten an Sicherheitsbehörden wird eingeschränkt auf die umkämpften “Hackerparagraphen” in der Strafprozessordnung. Auch die Weitergabe von “Zufallsfunden” soll durch Einführung eines Richtervorbehalts höheren Schranken unterworfen werden. Dazu kommen nachträgliche Benachrichtigungspflichten an Betroffene. Nachgebessert hat die Koalition beim Schutz des Kernbereichs der privaten Lebensgestaltung im Rahmen der erlaubten Suche nach Schadprogrammen. Um etwaige Eingriffe möglichst gering zu halten, sollen entsprechende Erkenntnisse “unverzüglich” gelöscht werden. Für die Kommunikation von zeugnisverweigerungsberechtigten Berufsgruppen mit der Bundesverwaltung wird ein Beweisverwertungsverbot eingefügt. Dieses fällt schwächer aus als etwa bei den Bestimmungen zur Vorratsdatenspeicherung. So ist der gesonderte Schutz für Abgeordnete, Geistliche, Journalisten, Ärzte, Anwälte oder andere Berufsgeheimnisträger erst nach einer Verhältnismäßigkeitsprüfung anzuwenden.”

heise Security

CDU-Politiker prüft Websperren für Gewaltspiele “ernsthaft”

“Nach der Entscheidung des Bundestags für eine Sperrung von Kinderporno-Seiten im Internet gibt es Überlegungen für eine Ausweitung der Blockade. Der Bundestagsabgeordnete und CDU-Generalsekretär in Baden-Württemberg, Thomas Strobl, brachte die Idee ins Spiel, auch Seiten mit “Killerspielen” zu blockieren. “Wir prüfen das ernsthaft”, sagte Strobl dem Kölner Stadt-Anzeiger. “Wir gehen nach Winnenden nicht zur Tagesordnung über”, betonte der CDU-Politiker. “Wenn es einen Nachweis gibt, dass sich Killerspiele negativ auf das Verhalten Jugendlicher auswirken, dann kann das Internet kein rechtsfreier Raum sein.”

heise online

“Der Kölner Stadtanzeiger nutze die Gunst der Stunde, und veröffentlichte keine 2 Stunden nach Beschluss des Zensurgesetzes im deutschen Bundestag eine Pressemeldung, die hier niemanden überraschen dürfte:

Köln (ots) – Der CDU-Bundestagsabgeordnete und baden-württembergische CDU-Generalsekretär Thomas Strobl will über die Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet hinausgehen und hat auch die Sperrung von Killerspielen ins Gespräch gebracht. “Wir prüfen das ernsthaft”, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger” (Freitag-Ausgabe). “Wir gehen nach Winnenden nicht zur Tagesordnung über. Wenn es einen Nachweis gibt, dass sich Killerspiele negativ auf das Verhalten Jugendlicher auswirken, dann kann das Internet kein rechtsfreier Raum sein.”

netzpolitik.org

Bundestag beschliesst Netzzensur

Mit 389 Ja-Stimmen bei 128 Nein-Stimmen und 18 Enthaltungen hat der Bundestag heute bei 535 anwesenden Abgeordneten die Zensursula-Gesetzgebung beschlossen. Jetzt fangen die Planungen für Verfassungsklagen an.
Ein schwarzer Tag für die digitale Gesellschaft. Das wird ein heißer Online-Wahlkampf für die beiden Volksparteien werden.

Wir haben mit der #zensursula – Kampagne Grossartiges geleistet. Darauf können wir aufbauen, besser werden und die Politik verändern. Ich freue mich, dass Netzpolitik allmählich in den medialen und gesellschaftlichen Mainstream vordringt. Neue Öffentlichkeiten entstehen in einer netzwerk-zentrierten neuen Kommunikationswelt und wir lernen langsam, unsere digitalen Werkzeuge Ad-Hoc vernetzt und mit Open Source Prinzipien zu nutzen. Damit werden wir täglich schlagkräftiger und damit werden wir immer mehr die digitale Gesellschaft definieren und mit Leben füllen. Viele Menschen werden wieder politisiert und fangen an, ihre politische Meinung im Netz und analog zu äussern. Das macht Spass, ist kreativ und eine sinnvolle demokratische Aufgabe. Macht dabei mit!

Ich bin übers Wochenende mal auf dem Land und werde vielleicht dazu kommen, etwas detaillierter die letzten Wochen und Monate Revue passieren zu lassen. Solange sei auf Metronaut.de verwiesen, wo das mal angefangen wurde: Freiheit ist es wert, niemals zu resignieren.

netzpolitik.org

Französische Kulturministerin will Schnellverfahren gegen Filesharer

“Wie angekündigt hat die französische Regierung die gekürzte Fassung des “Gesetzes zur Verbreitung und zum Schutz kreativer Inhalte im Internet” am Wochenende in Kraft gesetzt und im Gesetzblatt Journal Officiel veröffentlicht. Bis Ende Juni, spätestens Anfang Juli will die zuständige Kulturministerin Christine Albanel nun die ergänzende Passage nachreichen, welche die umstritteten Internet-Sperren neu regelt.

Der Verfassungsrat hatte die Sperren, wie sie in der ursprünglichen Fassung des Gesetzes vorgesehen waren, am 10.Juni als “verfassungswidrig” erklärt. Das Verfassungsgericht bemängelte insbesondere, dass ein Richter über die Internet-Sperre entscheiden müsse und nicht eine Behörde, wie es die Regierung in Form der HADOPI vorgeschlagen hatte.

[...]

Die Kontrollbehörde HADOPI werde die Anklageschriften bei mehrmaligen Verstößen gegen das Urheberrecht bei Gericht einreichen. Die Kulturministerin zeigte sich überzeugt, dass das System der Mahnungen, die die HADOPI verschickt, einen ausreichenden Abschreckungseffekt habe, sodass eine Überlastung der Gerichte vermieden würde.

Kritiker weisen darauf hin, dass der Vorschlag des Kulturministeriums nicht der Entscheidung des Verfassungsgerichts entspreche, da auch das vorgeschlagene Schnellverfahren mit einem Richter die Unschuldsvermutung nicht ausreichend berücksichtige. Der Beweis, dass nicht er selbst, sondern ein anderer die unlizenzierte Kopie aus dem Internet heruntergeladen habe, sei auch bei dieser Rechtsprechung noch immer vom Beschuldigten zu führen. Der Verfassungsrat hatte am kassierten Entwurf zum Internet-Sperren-Gesetz auch bemängelt, dass es die Beweislast umkehre und damit der Unschuldsvermutung widerspreche, wie sie in Artikel 9 der Menschenrechtserklärung von 1789 verankert ist.”

heise online

Provider soll The Pirate Bay blockieren

Nachdem die Contentindustrie in Dänemark einige juristische Erfolge erreichen konnte, die Provider zur Zugriffssperre gegen The Pirate Bay zu bewegen, versucht man dies nun auch in Norwegen.

Es ist noch nicht einmal ein Jahr vergangen, seit ein dänischer Richter die Entscheidung getroffen hatte, dass der Provider Tele2 seinen Kunden den Zugriff auf The Pirate Bay verwehren muss.

The Pirate BayNach Ansicht des Gerichts verletzte Tele2 in großem Ausmaße die Urheberrechte von Dritten, weil die Kunden urheberrechtlich geschütztes Material über die Leitungen des Providers jagten. Bereits zum damaligen Zeitpunkt kam eine kontroverse Diskussion auf, da man dies zum einen als einen Akt gegen die Netzneutralität, also den Carrier-Status der Provider betrachtete. Zudem hielt man es für eine Maßnahme, die der Zensur gleichkommt.

Glücklicherweise widersprach Tele2 dieser Entscheidung, so dass nun die oberste dänische Gerichtsbarkeit über die Blockade zu entscheiden hat. Bis es hier jedoch zu einem Urteil kommt, reizt die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) weiterhin ihr juristisches Glück (oder Können) aus. Ziel ist nun der größte norwegische Provider Telenor, welchem man bereits im März 2009 ein Ultimatum stellte. Man solle den Zugriff auf The Pirate Bay binnen 14 Tagen blockieren oder es folgt eine Klage.

“Das ist, als ob man von der Post verlangen würde alle Briefe zu öffnen, um zu entscheiden, welche davon zugestellt werden”, so Ragnar Kårhus von Telenor kurz nach Stellung des Ultimatums. Man würde ausschließlich dem Gesetz folgen und nicht den Forderungen der Musikindustrie.

Wie nicht anders zu erwarten war, weigerte sich Telenor der Aufforderung zu folgen und erklärte gegenüber der IFPI, dass man doch darum klagen soll, wenn man es für wirklich notwendig erachtet. Dies hat man nun getan.

Sveinung Golimo, ein Repräsentant der norwegischen Filmindustrie erklärte diesen Schritt so: “Wir möchten das Problem in den Fokus rücken. Wir wollen das Internet nicht zensieren aber wir wollen eine Möglichkeit haben, von dem was wir Kreativen leben zu können.”

Auch wenn man hier nicht von Zensur spricht, so stellt es doch nichts anderes dar. “Rechtswidrige Inhalte” auszublenden, in der Hoffnung es würde das Kernproblem lösen, stellt den fehlerhaftesten Ansatz dar, den man anstreben kann.

gulli

NSA-Lauschprogramm weiter aktiv

NSA“Das unter der Bush-Regierung gestartete Überwachungsprogramm der National Security Agency (NSA) läuft laut Geheimdienstexperten auch unter US-Präsident Barack Obama weiter. Dies berichtet die New York Times, die das umstrittene Lauschprogramm 2005 enthüllte. Neue Einzelheiten enthält der Bericht zudem über das Mitschneiden und Auswerten von E-Mails durch den technischen US-Geheimdienst. Demnach werden großen Mengen der elektronischen Post ohne richterliche Anordnung in einer mit dem Codenamen “Pinwale” bezeichneten Datenbank gespeichert und durchforstet. Eingeschlossen sei auch die Mailkommunikation von US-Bürgern, obwohl dafür eigentlich eine gerichtliche Genehmigung erforderlich sei.”

heise online

siehe auch NSA Spying, EFF.org (engl.)

Gutachten: BKA könnte mehr zum Löschen von Kinderpornos beitragen

“Das Bundeskriminalamt (BKA) könnte kürzere Wege im Kampf gegen die Verbreitung kinderpornographischer Inhalte im Web gehen. Laut einem heise online vorliegenden Kurzgutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags könnte das Wiesbadener Polizeiamt in seiner Funktion als “Zentralstelle Kinderpornographie” Provider im außereuropäischen Ausland direkt über solche Angebote auf ihren Servern informieren und sich so Umwege über nationale Behörden ersparen.”

heise online

siehe auch netzpolitik.org

USB-Festplatte mit AES-Verschlüsselung

ThinkPad USB Portable Secure Hard Drive

ThinkPad USB Portable Secure Hard Drive

“Das formschöne Gerät mit dem unhandlichen Namen “ThinkPad USB Portable Secure Hard Drive” ist mit 160 oder 320 GByte erhältlich. [...] Nach dem Anschließen an den PC passiert – von der aufleuchtenden Status-LED einmal abgesehen – erst einmal gar nichts. Erst nach dem Anmelden mit einer sechs- bis sechzehnstelligen PIN über die eingebauten Zifferntasten gibt der Controller die Daten USB-Massenspeicher-kompatibel an den PC frei. [...]. Die Kryptoschlüssel landen nicht auf der Platte, sondern bleiben im Controller. Dieser verschlüsselt nach unseren Erkenntnissen die komplette Platte mit dem Algorithmus AES-128, der bislang allen kryptologischen Angriffen standgehalten hat. [...] Wieso die Entwickler ausgerechnet am Blockmodus gespart haben, ist unverständlich, denn ansonsten wirkt das Produkt durchweg hochwertig und durchdacht. Der ECB-Modus tut der Datensicherheit jedoch nur einen unerheblichen Abbruch. Lenovos USB-Safe ist eine grundsolide Verschlüsselungslösung.”

heise Security

Kommentierte Zensursula – Linkliste

Die Zensursula-Debatte läuft nun schon seit einigen Monaten. Zeit für einen kurzen Rückblick und eine Übersicht in Form einer kommentierten Linkliste.

netzpolitik.org

Kritiker der Netzsperren wenden sich von der Politik ab

“130.000 Unterschriften für die Onlinepetition des Bundestages – ohne buchbaren Erfolg. Die Kritiker des Gesetzes zur Sperre kinderpornografischer Sites sind enttäuscht.

Dass es in der Politik nicht darum geht, die eigene Meinung zu vertreten, sondern darum, sie zu verhandeln und wenigstens Teile davon zu erhalten, ist keine neue Erkenntnis. Allerdings ist es eine, die gerade in der neuen Bürgerrechtsbewegung für Frust sorgt, die sich um das Thema Internetsperren formiert.

Die Gegner der sogenannten Kinderpornosperren schwanken zwischen Triumph und Niederlage. Einerseits haben sie eindrucksvoll belegt, dass viele Menschen ihr Anliegen teilen und das von der Bundesregierung geplante Gesetz über Sperrlisten und Stoppseiten ablehnen: Der heutige Dienstag ist der letzte Tag, an dem die Onlinepetition gegen das Gesetz noch unterzeichnet werden kann, und bislang haben das 130.000 Menschen getan. Damit ist sie die derzeit erfolgreichste Eingabe im elektronischen Petitionssystem des Bundestages.

Gleichzeitig aber haben viele Kritiker inzwischen das Gefühl, dass ihre Argumente keine Wirkung auf die Politik entfalten, dass sie von dieser ignoriert, ja im besten Fall instrumentalisiert werden. “Die Entwicklung der letzten Tage trägt dazu bei, dass die Motivation sehr gering wird, mit Politikern zu reden”, sagt beispielsweise Franziska Heine, die Frau, die die Onlinepetition eingereicht hat und die damit zu so etwas wie der Galionsfigur der Sperrgegner wurde.

Andere formulieren das bereits drastischer und sprechen, wie der Blogger Felix von Leitner, von der “Verräterpartei” SPD. Denn zwar stammt der Entwurf für das Gesetz vom CDU-geführten Familienministerium, doch ist es die SPD, die sich mit den Internet-Sperrplänen derzeit die meisten Feinde macht. So groß ist der Ärger bei den Bürgerrechtsgruppen inzwischen, dass sie kein Interesse mehr an Gesprächen mit der SPD haben.

Der Frust speist sich vor allem aus dem Beschluss der SPD-Führung auf dem Bundesparteitag am Wochenende. Die hatte einen Antrag mehrerer Genossen abgebügelt, der forderte, die SPD solle zu dem Gesetz nein sagen, statt zu versuchen, daran herumzuverhandeln. Zu ernst zu nehmen seien die Befürchtungen, dass damit eine Struktur aufgebaut werde, die sich zur Zensur aller möglichen Inhalte eigne. Stattdessen ließ der Parteivorstand einen eigenen Beschluss abstimmen, der vorsieht, den Gesetzentwurf “erheblich zu verbessern”, ihn aber grundsätzlich nicht kritisiert.

“Der Parteitag hat geschickt dafür gesorgt, das Thema nicht zu behandeln”, sagt Franziska Heine. Es wäre die Chance der SPD gewesen, “eine klare Entscheidung zu treffen”. Die aber habe man vermieden, “aus Angst vor den Folgen, wenn man sich klar gegen den Gesetzentwurf stellt”. Sie und viele andere sind darüber enttäuscht.” [...]

Golem.de

Vodafone gegen Gesetz für Web-Sperren

“Der Provider Vodafone/Arcor steht dem geplanten “Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen” kritisch gegenüber. “Wir sehen eine Selbstverpflichtung vor dem Hintergrund der Zensurdebatte als optimal an”, erklärte ein Sprecher des Mobilfunk- und Netzbetreibers gegenüber heise online. Da in diesem Falle nicht der ganze Markt der großen Provider von den Sperrpflichten erfasst wäre, könne jeder interessierte Nutzer sich bewusst einen aussuchen, der keine entsprechende Filterinfrastruktur aufgebaut habe. So sei die Situation in Großbritannien, und es gebe keine größeren Klagen dagegen.

[...]

Den Mitte April abgeschlossenen Vertrag mit dem BKA will Vodafone auch erfüllen, falls die Verabschiedung des von der großen Koalition überarbeiteten Gesetzesentwurfs doch noch scheitern würde. “Die technische Umsetzung läuft wie geplant”, betonte der Firmensprecher. Spätestens Mitte Oktober seien die Sperrinfrastrukturen einsatzbereit. Man könnte theoretisch sogar bereits “nächsten Monat” mit den Blockaden beginnen, “aber dann müssten wir alle daran setzen”. Besser sei es, die Technik erst noch “ordentlich zu testen”.”

heise online

Gesetz zu Web-Sperren in trockenen Tüchern

“Wirtschaftspolitiker der großen Koalition haben sich am heutigen Montagabend auf eine gemeinsame Linie beim Gesetzentwurf “zur Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen” geeinigt. “Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis”, erklärte Martina Krogmann, parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Fraktion, gegenüber heise online. Nun müssten am Dienstag nur noch die Arbeitsgruppen für Kultur und Medien der beiden Regierungsfraktionen zustimmen. Dann könne das Vorhaben – wie geplant – bereits am Donnerstag im Plenum des Bundestags verabschiedet werden.

Martin Dörmann, stellvertretender wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, hatte in der heutigen Verhandlungsrunde vor allem die Forderungen aus dem Beschluss des Parteivorstands der Sozialdemokraten präsentiert. Drei der vier von der SPD verlangten Punkte waren laut Krogmann aber bereits im Einklang mit der Union vorab in den gemeinsamen Änderungsplänen der Berichterstatter umgesetzt worden. Demnach soll die Devise “Löschen statt Sperren” in möglichst vielen Fällen verankert und die Klausel gestrichen werden, nach der Internetnutzer strafverfolgt werden, die auf der geplanten Stopp-Seite landen. Schon abgesprochen gewesen sei auch die unabhängige Kontrolle der Filterliste des Bundeskriminalamts (BKA) etwa durch den Bundesdatenschutzbeauftragten. Dieser ließ aber gerade durchblicken, für diese Aufgabe nicht zur Verfügung zu stehen.

Eingegangen ist die Union nun auf den Wunsch der SPD, durch ein Spezialgesetz für eine bessere Einschränkung der Web-Blockaden auf Kinderpornographie zu sorgen. Durch einen Passus solle deutlich gemacht werden, dass die geplante Sperrinfrastruktur nicht für andere Zwecke verwendet werden darf, betonte Krogmann. Die Initiative werde zudem nach zwei Jahren überprüft und zunächst auf drei Jahre befristet. Die Forderung ihres baden-württembergischen CDU-Kollegen Thomas Strobl, die Sperren “mit Blick auf Killerspiele” neu zu diskutieren, bezeichnete Krogmann als “Einzelmeinung”.

Die Petition gegen den Gesetzentwurf und die Sperrung von Internetseiten hat unterdessen über 128.000 Mitzeichner und wurde zur bislang erfolgreichsten ePetition.”

heise online