Monatsarchiv für Juli 2009

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Iran verschärft Internetkontrolle

“Nach den Protesten, die auf die Präsidentenwahl folgten, und aufgrund der anhaltenden Konflikte, die bis in die politische und religiöse Elite hineinreichen, war abzusehen, dass die Machthaber im Iran die Zensur und Überwachung der Medien weiter anziehen werden. Auf die Schnelle wurde jetzt ein Gesetz im Parlament durchgepeitscht, vom Wächterrat gebilligt und dessen Umsetzung durch eine Eilanordnung vom umstrittenen Präsidenten Ahmadinedschad beschleunigt, das angeblich Cyberkriminalität bekämpfen und die Internetnutzer besser schützen soll. So begründete Generalstaatsanwalt Qorban-Ali Dorri-Najafabadi das Gesetz mit dem Schutz der Rechte der Menschen und der Stärkung des Datenschutzes.

Das iranische Regime ist mit eiserner Hand nach den Protesten gegen die Medien vorgegangen, hat die Berichterstattung auch von ausländischen Reportern verhindert und zahlreiche Journalisten, Fotografen und Blogger festgenommen. Damit, meint Reporter ohne Grenzen, wurde Iran zum “größten Gefängnis für Journalisten und Cyberdissidenten”. Trotz einer extensiven Überwachung und Filterung von Internet und Telekommunikation, auch mit Technik von Siemens und Nokia, hatte das Regime zumindest anfangs Schwierigkeiten, den Informationsfluss zu bändigen. Die iranische Regierung sprach von einem Cyberkrieg, den das Ausland gegen den Iran führe.

Das neue Gesetz ermöglicht die Bestrafung weiterer “illegaler” Aktivitäten im Internet. So wird zwar der Datenschutz verstärkt, der aber auch zur Bestrafung von Kritikern führen kann, wenn persönliche Informationen ohne Einwilligung des Betroffenen veröffentlicht werden. Mit Artikel XXIV wird das auch für das Regime im Iran nützliche Instrument der Vorratsdatenspeicherung eingeführt. Internetprovider müssen nun alle Daten ihrer Kunden unbegrenzt speichern. Gelöscht werden dürfen sie, so berichtet der staatliche Sender PressTV, frühestens drei Monate nach Beendigung des Vertrags mit dem Kunden.”

heise online

Justizministerin Zypries verteidigt Web-Sperren

“Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) stärkt Familienministerin von der Leyen (CDU) den Rücken. Bei den Internetsperren gehe es nicht um Zensur, sagte sie der Tageszeitung Die Welt, sondern darum, “strafbare Inhalte aus dem Netz zu entfernen”. Immerhin habe die SPD der Union das Prinzip “Löschen vor Sperren” abgerungen. Vorrangig müsse sein, dass “der Dreck aus dem Netz” komme. Die Sperren müssten allerdings auf Kinderpornografie beschränkt bleiben, Misstrauen gegenüber staatlichen Filtern sei berechtigt.”

heise online

Siemens wegen Iran-Geschäften im Visier

Der Firma Siemens droht ein Millionenauftrag durch die Lappen zu gehen. Einem Bericht der Washington Times zufolge wird die Los Angeles Metropolitan Transportation Authority am 23. 7. über die Vergabe eines Auftrags für den Bau von 100 U-Bahn-Waggons im Wert von 300 Millionen US-Dollar entscheiden. Favorit für den Zuschlag ist Siemens, doch kalifornische Politiker und iranische Menschenrechtsaktivisten fordern die Verantwortlichen dazu auf, den Auftrag anderweitig zu vergeben, weil Siemens über sein Joint-Venture Nokia Siemens Networks mit Nokia am Aufbau einer Telekom-Überwachungsinfrastruktur im Iran beteiligt war. In einer E-Mail an die Washington Times sprach sich auch die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi dafür aus, Siemens zu boykottieren. “Ich denke, die Stadt Los Angeles sollte keine Verträge mit Firmen wie Nokia oder Siemens schließen, die an der Verletzung von Menschenrechten wie freier Meinungsäußerung und einer geschützen Privatsphäre beteiligt sind.”

heise online

Ich hoffe Cisco bleibt dann in Zukunft auch außen vor.

Amazon löscht gekaufte Kindle-eBooks

“Amazon hat gestern legal erworbene eBooks von den Kindle-Geräten seiner Kunden gelöscht. Betroffen waren ausgerechnet die Romane “1984″ und “Animal Farm” des britischen Schriftstellers George Orwell.

Wie Amazon gegenüber der New York Times erklärte, seien die Bücher von einer Firma namens MobileReference in den Kindle-Store eingestellt worden, die die dazu nötigen Rechte nicht besaß; Amazon habe auf Hinweis des tatsächlichen Rechteinhabers Houghton Mifflin Harcourt gehandelt und die Synchronisierungsfunktion des Kindle zum Löschen der verkauften Bücher genutzt. Die Kunden haben den Kaufpreis zurückerstattet bekommen.

Offenbar hat der E-Commerce-Riese schnell begriffen, dass er einen PR-GAU gelandet hat; gegenüber der NYT beteuerte ein Amazon-Sprecher, dass man künftig auf solche Löschungen verzichten werde. Amazon vermarktet eBooks als moderne Entsprechung von gedruckten Büchern, die sich nur durch das Trägermedium unterscheiden – schließlich würde ein Händler auch nicht die verkauften Exemplare eines illegal hergestellten Buches wieder einsammeln. Die Käufer reagierten erstaunt und wütend, Blogger mit hämischen Kommentaren. Ob Amazon überhaupt das Recht hatte, die illegal angebotenen eBooks nachträglich zu löschen, ist umstritten – schließlich gewähren die Kindle-AGB ein dauerhaftes Nutzungsrecht.”

heise online

Freiheit statt Angst – der Trailer

“Alexander Svensson hat vor zwei Jahren das grandiose Video “Planet unter Beobachtung”, ein Mobilisierungsvideo für die erste Grossdemo und die Massenklage gegen die Vorratsdatenspeicherung, gemacht. Ich hatte ihn eigentlich nur angefragt, ob er das Datum in dem Video ändern kann, so dass wir es für den 12. September 2009 nutzen können. Daraus ist aber gleich ein neues Video entstanden: “Freiheit statt Angst – der Trailer”

Freiheit statt Angst – der Trailer from Alexander Svensson on Vimeo.

Das Video steht unter der CC-BY-SA und findet sich bei Vimeo, Sevenload und Youtube. Bei Vimeo gibt es auch eien Downloadmöglichkeit in HD-Auflösung. Alexander hat in seinem Blog Wortfeld noch ein paar Worte dazu geschrieben: “Nicht im Kino”.

Update: Verschiedene Downloadmöglichkeiten gibt es jetzt bei Archive.org. U.a. als Quicktime oder OGG.”

netzpolitik.org

Stopp-Seiten weltweit

Bei Global Voices Advocacy Projekt gibt es eine schöne Übersicht über die unterschiedlichen Stopp-Seiten im Rahmen der verschiedenen nationalen Netzzensur-Initiativen.

netzpolitik.org

BlackBerry-Update spioniert Benutzer aus

BlackBerry

Ein BlackBerry-Update das ein in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässiger Serviceprovider an seine Kunden verteilt hat, enthält Sicherheitsforschern zufolge, amerikanische Spionage- Software die es dem Unternehmen oder Dritten ermöglicht die E-Mails und Text-Nachrichten seiner Kunden abzufangen und zu lesen.

Das an 100.000 Kunden verteilte Update wurde vom arabischen TK-Unternehmen Etisalat als “Geschwindigkeitsverbesserungs-Patch” angekündigt.

Auf den Patch aufmerksam wurde man, laut der Lokalpublikation ITP, nachdem sich zahlreiche Benutzer über die verringerte Akkulaufzeit und das schlechte Zeitverhalten ihres BlackBerry beschwerten.

Nigel Gourlay, ein in Katar ansäßiger Programmierer der den Patch untersuchte, berichtete ITP, daß der Patch Code enthält der die BlackBerries instruierte sich bei einem zentralen Server anzumelden. Aber als der Patch dann installiert war versuchten tausende Geräte zeitgleich den Server zu erreichen um sich registrieren, was dann zum Absturz des Servers und der Verringerung der Batterielaufzeit führte.

“Wenn das BlackBerry sich nicht anmelden kann, versucht es dies wieder und wieder, was zur Verringerung der Laufzeit des Akku führt”

sagt er mit dem Hinweis darauf, daß die Spionagesoftware niemals die Aufmerksamkeit erregt hätte, wenn das Unternehmen seinen Anmeldeserver entsprechend konfiguriert hätte.

Der Spionageteil des Patches ist standardmäßig deaktiviert kann aber über den einfachen Versand eines Befehls vom Server an ein beliebiges Endgerät aktiviert werden und dazu führen, daß das Gerät eine Kopie der folgenden E-Mails und Text-Nachrichten an den Server schickt.

Die Spionagesoftware scheint von einem amerikanischen Unternehmen entwickelt worden zu sein, welches Überwachungssoftware vermarktet.

Gourlay erhielt den Quelltext des Patches nachdem er von jemandem auf einem BlackBerry-Forum veröffentlicht wurde. Er sagt, der Quelltext enthält die Bezeichnung “SS8.com”, die einem amerikanischen Unternehmen gehört, welches bezugnehmend auf deren Webseite, Überwächungslösung zur Telekommunikationsüberwachung an Serviceprovider, Strafverfolungsbehörden und Sicherheitsbehörden auf der ganzen Welt anbietet.

Weder Etisalat noch SS8 standen für einen Kommentar zur Verfügung.

Veracode hat zwischenzeitlich eine Analyse des Quelltextes der Spionagesoftware zur Verfügung gestellt. Die Spionagesoftware dient offenbar dazu, verschlüsselte Nachrichten abzufangen bevor diese zum Server geschickt werden, so dass niemand der die Nachricht auf dem Weg zum Server abfängt diese im Klartext lesen kann.

via Threat Level | Wired.com

Foto: VancityAllie/Flickr

Nominum – Die Firma hinter der Zensursula-Infrastruktur

ZDNet hat Informationen, wer die Zensursula-Infrastruktur aufbauen und betreiben wird: DNS-Erfinder Paul Mockapetris implementiert die Internetzensur in Deutschland.

Der US-amerikanische DNS-Spezialist Nominum wird bei deutschen Providern die Fälschung von DNS-Antworten implementieren, die das heftig umstrittene Internetzensurgesetz vorschreibt. Das erklärte Gopala Tumuluri, Vice President of Marketing bei Nominum, gegenüber ZDNet.de. Nominum wird von Paul Mockapetris geleitet, der DNS 1983 erfand und in den RFCs 882 und 883 niederschrieb. Ferner ist Mockapetris Chef-Wissenschaftler bei Nominum. Tumuluri wollte gegenüber ZDNet keine Namen von Providern nennen, führte jedoch an, dass nahezu alle deutschen Provider bei ihrer DNS-Infrastruktur auf Nominum setzen. Die Technologie für die Umsetzung des Internetzensurgesetzes sei bereits fertig und müsse nur noch in die bestehende DNS-Infrastruktur integriert werden.

Laut ZDNet betreibt Nominum jetzt bereits die DNS-Infrastruktur nahezu aller deutschen Provider. Interessant ist auch diese Info:

Um zu verhindern, dass die Sperrlisten öffentlich werden, trage Nominum dafür Sorge, dass diese Listen sicher verschlüsselt auf den Zensurservern abgelegt werden. Bedienungspersonal bei den Providern, das die Listen veröffentlichen will, hätte keine Chance.

netzpolitik.org

Schweiz plant Internetüberwachung von Verdächtigen

Die Schweiz plant jetzt, den Internetverkehr von verdächtigen Personen zu überwachen. Das berichtet Die Wochenzeitung WOZ: Mit dem Staat ins Internet.

Der Bund plant die vollständige Überwachung des Internetverkehrs von verdächtigen Personen. Ab dem 1. August müssen die Internetprovider, also die Anbieter von Internetzugängen, technisch aufrüsten. Künftig sollen sie in der Lage sein, die Internetnutzung ihrer KundInnen unmittelbar an die Behörden zu übertragen. Von der «Echtzeit-Überwachung der kompletten Kommunikation des Breitband-Internetanschlusses» ist in den Dokumenten die Rede. Konkret kann künftig das gesamte Surfverhalten einer Nutzerin oder eines Nutzers abgefangen werden, sofern gegen die Person ein entsprechendes Strafverfahren eröffnet worden ist. Der Staat liest Diskussionen in Chats oder Einträge in Foren mit, hört bei Gesprächen über Dienste wie Skype mit oder guckt zu, sobald die Person eine Webcam aktiviert.

Die Provider sollen die passenden Schnittstellen liefern und finden das nicht so lustig.

netzpolitik.org

Kasachstan führt Internet-Zensur ein

“Das zentralasiatische Land Kasachstan hat aus Angst vor Kritik durch Regierungsgegnern eine Internet-Zensur eingeführt. Der autoritäre Präsident Nursultan Nasarbajew unterzeichnete ein Gesetz, nach dem etwa Meinungsbeiträge in Blogs und Chats unter besondere Kontrolle gestellt werden. Das berichteten russische Medien heute. Die Führung in Astana wolle verhindern, dass sich Andersdenkende etwa wie zuletzt Anfang April in Moldawien rasch über das Internet zu Protestaktionen verabredeten, schreibt die Moskauer Zeitung Komsomolskaja Prawda. Kasachstan soll 2010 den auch von Deutschland unterstützten Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) übernehmen.

Mit dem Erlass ist das Internet den übrigen – meist staatstreuen – Medien gleichgestellt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisiert die “Regulierung des Internets” als Einschränkung der Meinungsfreiheit. Die für Zentralasien zuständige HRW-Direktorin Holly Cartner forderte die kasachische Regierung auf, das Gesetz zu kippen und die vom Westen angemahnten demokratischen Reformen umzusetzen. Zu Jahresbeginn hatten auch Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler bei einem Treffen mit Nasarbajew in Berlin die Einhaltung der Menschenrechte gefordert.”

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Bundesverfassungsgericht erlaubt Ermittlern Zugriff auf E-Mails beim Provider

“E-Mails können bei Ermittlungen der Polizei auch dann beschlagnahmt werden, wenn sie auf dem Mailserver eines Internet-Anbieters gespeichert sind. Nach einem Beschluss (2 BvR 902/06) des Bundesverfassungsgerichts können die Ermittler sich dabei auf die Regelung zur Beschlagnahme (Paragraphen 94 ff.) stützen – die strengeren Voraussetzungen einer Telefonüberwachung (Paragraph 100a) müssen dazu nicht erfüllt sein. Allerdings unterliegen gespeicherte Mails grundsätzlich dem Schutz des Fernmeldegeheimnisses, sodass bei einer Beschlagnahme genau geprüft werden muss, ob der Eingriff in die Rechte des Betroffenen noch verhältnismäßig ist.”

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Österreichs Verfassungsgerichtshof prüft Sicherheitspolizeigesetz nicht

“Der österreichische Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat mehrere Individualbeschwerden gegen das umstrittene Sicherheitspolizeigesetz (SPG) aus formalen Gründen zurückgewiesen (G31/08, G 147/08, G 148/08 und weitere). Nach fast eineinhalb Jahren steht damit fest, dass der VfGH eine direkte Prüfung der angefochtenen neuen Absätze 3a und 3b des Paragraphen 53 ablehnt. Das neu gefasste SPG verpflichtet Mobilfunker seit 2008, auf Polizeibefehl Standortdaten und die internationale Mobilfunkteilnehmerkennung (IMSI) eines Handys preiszugeben. Gleichermaßen müssen Provider Name und Anschrift von Nutzern bestimmter IP-Adressen herausgeben. Eine richterliche Kontrolle der Wünsche der Polizei gibt es nicht mehr; eine Information der Betroffenen ist ebenso wenig vorgesehen, wie die Löschung der erhobenen Daten.”

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