Monatsarchiv für Oktober 2009

Seite 2 von 5

Pressefreiheit: Reporter ohne Grenzen kritisiert europäische Länder

“Reporter ohne Grenzen macht sich Sorgen um die Pressefreiheit in Europa: Bei der Vorstellung des Press Freedom Index 2009 bemängelte die Organisation, die sich die Verteidigung der Pressefreiheit und den Schutz von Journalisten auf die Fahnen geschrieben hat, “die sukzessive Verschlechterung der Situation von Medien und Journalisten in einigen europäischen Ländern”. Europa könnte bei der Pressefreiheit seine langjährige Vorbildfunktion verlieren, meint Reporter ohne Grenzen.

Besonders im Blick bei ihrer Kritik hat die Organisation etwa Frankreich oder Italien: “Es ist beunruhigend festzustellen, dass demokratische Staaten wie Frankreich, Italien oder die Slowakei jedes Jahr weitere Plätze in der Rangliste verlieren”, sagte Jean-François Julliard, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen. “Europa sollte eine Vorreiterrolle bei der Gewährung von bürgerlichen Freiheiten spielen. Wie können europäische Staaten Verstöße gegen die Pressefreiheit in der Welt verurteilen, ohne sich auf dem eigenen Territorium vorbildlich zu verhalten?”

[..]

Deutschland belegt nach Platz 20 im vergangenen Jahr in diesem Jahr Platz 18. Kritisiert werden von Reporter ohne Grenzen unter anderem das BKA-Gesetz mit der heimlichen Online-Durchsuchung und die Überwachung der Telekommunikation. Außerdem sieht die Organisation hierzulande auch die zunehmende Pressekonzentration sowie den unzureichenden Zugang zu öffentlichen Informationen (Informationsfreiheit) kritisch.

[..]

Zu den Kriterien, nach denen der Press Freedom Index erstellt wird, erklärt Reporter ohne Grenzen, es würden Verstöße gegen die Pressefreiheit genauso berücksichtigt wie Bemühungen, dieses Menschenrecht umzusetzen. Anhand eines Fragebogens würden “Partner-Organisationen, Korrespondenten-Netzwerk sowie Journalisten, Rechercheure, Juristen und Menschenrechtler in den jeweiligen Ländern befragt”.”

heise online

Gerhart Baum hält Verfassungsklage gegen Vorratsdatenspeicherung aufrecht

“Union und FDP haben sich darauf geeinigt, dass die Nutzung der Daten zunächst auf schwere Gefahrensituationen beschränkt sein soll. Vorbild für diese Regelung sei ein Passus des Koalitionsvertrags zwischen CSU und FDP in Bayern. Dieser Passus beziehe sich aber lediglich auf die sogenannte Gefahrenabwehr, also auf das Vorfeld von konkreten Straftaten. Dies bestätigte das Bundesinnenministerium der “Frankfurter Rundschau” (Samstag).

Ganz überwiegend werden die Verkehrsdaten, die auf Vorrat gespeichert werden, aber für die Strafverfolgung genutzt, also für die Ahndung von Straftaten. Diese Möglichkeit bleibt auch nach der Regelung des Koalitionsvertrags unangetastet bestehen. Strengere Auflagen seien in diesem Falle auch nicht vorgesehen, hieß es.

Unterdessen kündigte der FDP-Politiker Gerhart Baum in dem Blatt an, trotz der Koalitionsvereinbarungen seiner Partei weiter gegen die Vorratsdatenspeicherung und das BKA-Gesetz klagen zu wollen. Selbst mit den von Liberalen herausgehandelten Änderungen habe das BKA- Gesetz “noch viele andere hoch problematische Punkte”, sagte der ehemalige Bundesinnenminister. “Diese ganze Sicherheitsarchitektur, die in dem BKA-Gesetz zum Ausdruck kommt, bleibt weiter Gegenstand unserer Verfassungsbeschwerde .”

Gemeinsam mit Grünen-Politikern, Anwälten, Ärzten und Journalisten hatte Baum im Frühjahr gegen das Ende 2008 beschlossene Gesetz und die Vorratsdatenspeicherung Beschwerde am Bundesverfassungsgericht eingereicht. “Ich halte die Speicherung an sich für einen nicht notwendigen und verfassungswidrigen Grundrechtseingriff”, sagte der Liberale dem Blatt.”

heise online

Deutsche Big Brother Awards verliehen

“Deutsche Datenschützer haben am Freitag zum zehnten Mal die Big Brother Awards vergeben. Unter den Preisträgern des “Oscars für Datensünder” finden sich die Deutsche Telekom sowie zwei Bundesminister.

Zum zehnten Mal zeichnete die Bürgerrechtsorganisation Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs (FoeBuD) in Bielefeld Personen und Unternehmen aus, die besonders schwer gegen den Datenschutz verstoßen hatten.

Die Anti-Preise für Datenjunkies wurden heuer in fünf verschiedenen Kategorien vergeben, unter anderem in Sport, Politik, Arbeitswelt und Lebenswerk.

Zu den Preisträgern zählen auch die Bundesminister Wolfgang Schäuble (Lebenswerk), unter anderem für seine Bestrebungen zur Legalisierung von Online-Durchsuchungen von Computern, und Ursula von der Leyen (Politik) für die Durchsetzung der Netzsperren in Deutschland. Von der Leyen, so die Begründung, habe den sexuellen Missbrauch von Kindern dazu benutzt, sich im Wahlkampf zu profilieren, ohne aber tatsächlich etwas gegen den Missbrauch unternommen zu haben.

Wegen Überwachung von Mitarbeitern wurden unter anderem die Deutsche Telekom (DT) und die Deutsche Bahn (DB) in der Kategorie Arbeitswelt ausgezeichnet. Gegen die DT ermittelt die deutsche Staatsanwaltschaft, weil das Unternehmen Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten der DT, Angehörigen des Betriebsrats, Journalisten und auch von Dritten ausgespäht haben soll. Auch der DB wird vorgeworfen, jahrelang Mitarbeiter ausgeforscht zu haben.

In der Kategorie Wirtschaft brachte die Jury einige Firmen ans Licht der Öffentlichkeit, die, so die Begründung, Überwachungstechnik für Datenverkehr und Sprachtelefonie anbieten und dabei gerne im Hintergrund blieben. Die Auszeichnung ging an die Firmen Quante Netzwerke GmbH, Utimaco, Datakom/GTen, Syborg, Digi-Task, secunet, Cisco und Trovicor – eine ehemalige Abteilung von Nokia Siemens Networks.

Als “Kuriosität” hob FoeBuD die Claas GmbH hervor. Das Unternehmen erhielt den Award, weil es Mähdrescher zur Mitarbeiterkontrolle mit Wanzen bestückt habe, so die Datenschützer.

In Österreich findet die Verleihung der Big Brother Awards am Sonntag, dem 25. Oktober, ab 19.00 Uhr (Einlass) im Theater Rabenhof in Wien statt.”

futurezone.ORF.at

Lernen mit Computerspielen

“Michael Wagner von der Donau-Uni Krems hat untersucht, ob sich Computerspiele als Lehrmittel in der Schule eignen. Futurezone.ORF.at sprach mit Wagner über Chancen und Probleme beim Lernen mit Games. Überraschend: Nicht alle Schüler wollen gerne im Klassenzimmer mit Spielen umgehen.”

futurezone.ORF.at

EFF: TI soll Taschenrechner-Fans nicht weiter bedrohen

“Texas Instruments (TI) hat unter dem Deckmantel des DMCA einige Hobbyentwickler abgemahnt, die über potenzielle Modifikationen für programmierbare Taschenrechner gebloggt hatten. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat den Hersteller nun aufgefordert, seine haltlosen Drohungen zurückzuziehen.”

Golem.de

China sperrt ausländische Onlinespiele-Anbieter aus

“Aufregung bei Onlinespiele-Anbietern: Der chinesische Online-Spielemarkt gilt als einer der attraktivsten Wachstumsmärkte für Spielehersteller; doch nun blockiert China laut einem Bericht nicht nur zahlreiche Spiele, sondern untersagt ausländischen Unternehmen allgemein, Online-Spiele in China anzubieten.

Einer Untersuchung des China Internet Network Information Center zufolge spielen in China über 200 Millionen Menschen Online-Spiele, rund zwei Drittel aller dortigen Internet-Nutzer. Die Zeit, die Internet-Nutzer in China vor dem Bildschirm verbringen, sei im vergangenen Jahr von 16,6 auf 18 Stunden pro Woche gestiegen. Nun sind seit Anfang dieser Woche rund 45 Online-Spiele in China nicht mehr abrufbar. Betroffen sind unter anderem die Spiele “Godfather”, “Gangster” uns “Mafioso Hitman”. Gemeinsam ist diesen Titeln die Mafia-Thematik.

Verantwortlich zeichnet die für Medieninhalte zuständige Regierungsstelle GAPP (General Administration of Press and Publication of the People’s Republic of China). Nach Auffassung der staatlichen Behörde sind “unangemessene Inhalte” der Grund für die landesweite Sperrung. Alle betroffenen Spiele weisen jedoch unabhängig vom jeweiligen Inhalt eine weitere Gemeinsamkeit auf: Sie werden von außerhalb Chinas angeboten. Möglicherweise könnte die Sperrung also nicht nur mit den Inhalten der Spiele zusammenhängen, sondern mit den ausländischen Anbietern. Denn die Regierungsstelle GAPP gab zeitgleich mit der Sperrung der betroffenen Spiele bekannt, dass es ausländischen Unternehmen ganz allgemein untersagt sei, Online-Spiele in China anzubieten. Dieses Verbot soll umfassend sein und auch für Joint Ventures und Technologiesupportfirmen mit ausländischer Beteiligung gelten.”

heise online

Telekom sieht Datenschwachstellen als behoben an

“Die Deutsche Telekom hat als Reaktion auf aktuelle Medienberichte über Datenschwachstellen betont, dass diese behoben seien. Spiegel online berichtete erneut, Vertriebspartner und Betreiber großer Callcenter hätten große Datenmengen aus den Beständen der Deutschen Telekom entwendet und geändert. Es seien Aufträge manipuliert und illegale Provisionen in Millionenhöhe beansprucht worden. So seien Datensätze von hunderttausenden Kunden ins Ausland gelangt, besonders oft in die Türkei. Diese enthielten häufig auch Bankdaten der Telekom-Kunden. Die Telekom habe im Februar Strafanzeige erstattet.”

heise security

EU stellt ihr Archiv kostenlos ins Netz

“Das Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union wird am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse den offiziellen Start seiner Online-Bibliothek “EU Bookshop” feiern. Das gesamte Archiv der Behörde seit 1952 werde dann frei im Internet zugänglich sein, teilte die EU-Kommission am Donnerstag mit.

Insgesamt 14 Millionen Seiten sind im PDF-Format kostenlos verfügbar. Auch über die EU-Online-Bibliothek Europeana seien die in den vergangenen zwei Jahren gescannten Inhalte der EU-Archive erhältlich, so die Kommission.”

futurezone.orf.at

Big Brother Awards 2009

“Heute wurden in Bielefeld wieder einmal die deutschen BigBrotherAwards verliehen. Der Negativpreis für Datenkraken feiert damit sein 10. Jubiläum.

In der Kategorie Wirtschaft zeichnete die Jury nicht einen einzelnen Preisträger, “sondern kollektiv an die besonders eifrigen Lösungsanbieter in diesem Schnüffelbereich.” Darunter sind bekannte Großunternehmen wie Cisco, das den Preis für seine “Service Control Engine” erhält, mit der sich die Deep Packet Inspection umsetzen lässt. “Damit ist jeder Zweifel ausgeräumt, dass eine umfassende InternetÜberwachung auch bei wachsenden Datenmengen problemlos machbar ist”, heißt es in der Laudatio von Frank Rosengart.

Ausgezeichnet in der Kategorie Sport wurde das Organisationskommittee der Leichathletik-WM in Berlin für die Vorab-Überprüfung von Journalisten. “Die Journalisten mussten es sich im Sommer gefallen lassen, dass sich das Organisationskomitee ein ganz genaues Bild von den Berichterstattern seines Events machte”, erklärt Laudator Dr. Fredrik Roggan. “Damit wurde schlicht so getan, als habe man es bei Sportjournalisten sämtlich mit potentiell Kriminellen, zumindest aber mit Verfassungsfeinden zu tun.” Diese Haltung widerspreche “eklatant den Grundlagen einer freien Presse.” Es gehe daher “um nicht weniger als den Schutz der in einer freiheitlichen Demokratie so wichtigen Pressefreiheit.”

Eine Quittung für ihre Politik erhält die bisherige Familienministerin Ursula von der Leyen. Sie wird – wenig überraschend – für das Zugangserschwerungsgesetz ausgezeichnet, dass sie in den letzten Monaten vorangetrieben hat. Das Gesetz helfe den Opfern von Kinderpornographie nicht, somit sei von der Leyen “diejenige, die weiter die Verbreitung von Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern duldet. Sie ist diejenige, die nicht einschreitet. Sie tut nichts, sondern hält lediglich einen Vorhang davor.” Zudem benutze sie “das Leid der Kinder für ihren Wahlkampf und zur Errichtung einer allgemeinen Internet-Zensur- und Kontroll-Infrastruktur.”

In der Kategorie Arbeitswelt gäbe es eine ganze Reihe von möglichen Preisträgern. Karin Schuler zählt in ihrer Laudatio einige davon auf, die Bahn ist darunter und der Textildiscounter Kik. Den Preis erhält allerdings der Landmaschinenhersteller Claas. Das Unternehmen preist auf seiner Website einen Mähdrescher an, der mit einem satellitengeschützten Trackingsystem ausgestattet ist. Damit wolle man einen “guten Fahrer noch besser machen”. Ein nun wirklich ausgezeichneter Euphemismus.

Zuletzt erhält der wohl scheidende Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble einen Preis für sein Lebenswerk: “für den Umbau des BKA in ein zentrales deutsches FBI mit geheimpolizeilichen Befugnissen zur präventiven Vorfeldausforschung, für die Legalisierung der heimlichen Online-Durchsuchung von Computern, für die Errichtung einer gemeinsamen Antiterrordatei sowie einer neuen Abhörzentrale für alle Sicherheitsbehörden”, erklärt Laudator Dr. Ralf Gössner. Schäuble habe sich in seiner Amtszeit “alles in allem als Architekt eines präventiv-autoritären Sicherheitsstaates betätigt. Damit hat er als oberster Verfassungs- und Datenschützer, der er als Bundesinnenminister war, genauso grandios versagt wie weiland Otto Schily. Er ist dabei nicht nur seiner vornehmsten Aufgabe in keiner Weise gerecht geworden, sondern entwickelte sich selbst zum Sicherheitsrisiko; oder in seiner eigenen Diktion: zum “Gefährder” von Demokratie, Menschenrechten und Datenschutz.”

netzpolitik.org

CCC: Spickzettel für digitale Bürgerrechte

“Der Chaos Computer Club hat in einem Spickzettel für die neue Bundesregierung die wichtigsten und dringendsten Veränderungen im Bereich digitaler Bürgerrechte und Netzpolitik für das 21. Jahrhundert skizziert.”

netzpolitik.org

Schwarz-Gelb einig bei Innenpolitik?

“Heise berichtet mit Berufung auf dpa, dass sich die Union und FDP bei einigen strittigen Punkten der Innenpolitik geeinigt haben.

Bei der Vorratsdatenspeicherung soll die Nutzung auf schwere Straftaten beschränkt bleiben, was das Bundesverfassungsgericht auch schon durchgesetzt hat. Da wir hier im Winter oder Frühjahr eine Entscheidung des Bundesverfassungsgericht erwarten nund die mindestens in dieselbe Richtung gehen wird, ist dies keine Neuerung.

Bei heimlichen Online-Durchsuchungen soll künftig eine Anordnung der Bundesanwaltschaft nötig sein. Wie Medien in den letzten Tagen berichteten, gab es vom Bundeskriminalamt in diesem Jahr genau keine Online-Durchsuchungen. Hier können wir uns wieder beim Bundesverfassungsgericht bedanken, das für strenge Regeln gesorgt hat. Ob die Bundesanwaltschaft eine tolle demokratische Kontrolle ist, bleibt hier unkommentiert.

Tolle Infos gibt es bei der Netzzensur. Hier soll tatsächlich das Bundeskriminalamt “zunächst versuchen”, kinderpornographische Seiten zu löschen statt zu sperren. Nach einem Jahr soll mit die Erfahrung mit der Löschung ausgewertet werden.

Das kann ich jetzt nicht genau interpretieren. Heisst das, dass das BKA keine Listen an die Provider verteilen wird und diese im nächsten Jahr nicht zensieren? Falls ja, was ist wenn das BKA dann erklärt (wie jetzt auch schon), das einfach genug Seiten nicht zu löschen sind? Das klingt eher wie eine Aufschiebung. Und was ist mit den Providern, die ab übermorgen auf Basis der Verträge mit der Zensur anfangen wollen? Was ist mit der Zensurinfrastruktur, die in den letzten Monaten bei den Providern errichtet wurde?

Aber ich lass mich überraschen. Bisher haut mich nichts wirklich vom Hocker vom Verhandlungserfolg der FDP bei der Bürgerrechts-Politik. Aber meine Erwartungen waren auch nicht besonders hoch. Von drei im Wahlprogramm ablehnenden Vorhaben wurde genau einmal irgendwie eine Aufschiebung durchgesetzt (Was immer das heißen mag) und zweimal das Bundesverfassungsgericht beachtet, was in der Praxis eh schon so gehandhabt wurde.

Update:

Laut Stern.de, die sich ebenfalls auf Agenturmeldungen beziehen, soll die Vorratsdatenspeicherung bis zum Urteil des Bundesverfassungsgericht ganz ausgesetzt werden. (Update: Was als Aussetzung verkauft wird, bedeutet in der Realität = nur bei schweren Fällen. Also Status Quo!) Welche Aussage konkret stimmt, weden die nächsten Tage zeigen. Unklar ist derzeit, was die Aussetzung der Vorratsdatenspeicherung bedeuten soll: Sicherlich wird nicht die ganze Überwachungsinfrastruktur ausgeschaltet, die die Kommunikationsdaten aller Deutschen Telekommunikationsnutzer für sechs Monate aufzeichnet und damit die Bevölkerung unter Generalverdacht stellt. Wenn doch, wäre ich positiv überrascht.

Update: Odem.org will mehr Informationen zur Zensursula-Gesetzgebung rausbekommen haben:

* Es wird ein „Anwendungserlass“ geben, der besagt:
o Das BKA darf keine Listen erstellen
o Das BKA darf keine Sperrlisten weitergeben
* Dies gilt für das Gesetz und die „freiwilligen“ Verträge der Provider
* Das BKA soll dafür sorgen, dass die Inhalte gelöscht werden.
o Dazu wird das BKA die Meldestellen von eco und/oder INHOPE einbinden
o Also nicht nur auf eigene Faust bzw. über die träge internationale Polizeiarbeit handeln
* Das ganze gilt für ein Jahr
* Danach wird der Erfolg geprüft, quasi: wurden die Inhalte entfernt?
* Wenn sich das Ganze als erfolgreich herausstellen wird, wird das Gesetz in einem Jahr abgeschafft
* Das Wirtschaftsministerium hat ohne Absprache mit der (wahrscheinlichen) neuen Koalition das Gesetz an den Bundespräsidenten zur Ausfertigung weitergereicht; dieser wird es nun prüfen. Wenn er es unterzeichnet, wird es zwar formal in Kraft treten, aber aufgrund des Anwendungserlasses eben nicht angewendet.
o Wenn er es aufgrund verfassungsrechtlicher Bedenken nicht unterzeichnet, dann ist das sowieso hinfällig.
Ich lass mich mal überraschen.

Update 2 (von Andre): Fachanwalt Thomas Stadler beschreibt in seinem Blog, was denn ein “Anwendungserlass” sei:

“Es handelt sich dabei um eine rechtsstaatlich äußerst fragwürdige Lösung, weil es nicht Sache der Exekutive ist, über die Anwendung eines Gesetzes zu entscheiden. Es gilt hier der Verfassungsgrundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung. Gerade derartige Lösungen sind der Grund dafür, dass die Position des Parlaments immer stärker geschwächt wird und die Gewaltenteilung zunehmend ins Wanken gerät. Das gibt Anlass zur Besorgnis, die weit über den konkreten Fall der Netzsperren hinausreicht.”

Wir werden also demnächst die paradoxe Situation haben, dass der Bundespräsident das Gesetz aller Wahrscheinlichkeit nach unterschreibt und es damit in offiziell in Kraft tritt. Gleichzeitig aber sagt die neue Regierung, dass das neue Gesetz vorerst so nicht gelten soll. In der Tat klingt das nicht nach rechtsstaatlich einwandfreien Mitteln.

Ganz obendrein ist die ganze Sache noch gar nicht durch. Erst die Spitzenrunde der Koalitionsgespräche wird über alle Ergebnisse final entscheiden und vielleicht noch an der einen oder anderen Stelle Änderungen verlangen.”

netzpolitik.org

DPI: So fälschen deutsche Provider Webinhalte

“Ein Artikel bei ZDNet beschreibt ausführlich, wie deutsche UMTS-Anbieter Deep-Packet-Inspection einsetzen und zum Bandbreitenmanagement in den Datenverkehr eingreifen: Internet per UMTS: So fälschen deutsche Provider Webinhalte. Das scheinen nicht nur Vodafone und T-Mobile so zu machen, auf Twitter gab es Hinweise, dass auch ePlus und o2 dabei sind. Dabei wird die Netzneutralität verletzt. Und so kann ich mich dem Fazit in dem Artikel nur anschließen:

“Hier sind Gesetzgeber und Regulierungsbehörde gefordert, einzugreifen. Funkfrequenzen sind ein knappes öffentliches Gut. Man darf sie nicht in die Hände von Unternehmen legen, die nach Gutdünken selbst entscheiden, was sie ihren Kunden übermitteln und was nicht. Das Netz muss sich als Transportmedium neutral verhalten. Es muss sichergestellt sein, dass alle IP-Pakete in der Nutzlast unverändert beim Empfänger ankommen, es sei denn, der Kunde wünscht es ausdrücklich anders. [...] Diesen Bestrebungen gilt es, einen Riegel vorzuschieben. Einen Internetprovider geht es schlicht und einfach nichts an, welche Inhalte in der Nutzlast von IP-Paketen übertragen werden. Jeglicher Einsatz von DPI-Technologie ohne ausdrücklichen Kundenwusch gehört geächtet und verboten. Von der Entwicklung neuer Anwendungen im Internet hängt der Fortschritt in der Gesellschaft entscheidend ab. Die Zugangsprovider müssen sich an Neutralitätsregeln halten.”

Wir brauchen auch in Deutschland und der EU endlich strenge Regeln für Netzneutralität. Wie die aussehen müssen, haben wir hier formuliert. Vielleicht können die mitlesenden Juristen mir mal die Frage beantworten, ob bei einem solchen DPI-Einsatz das Post- und Fernmeldegeheimnis verletzt wird?”

netzpolitik.org