Vom Leistungsschutz zum Link-Verbrechen

„In der Zeitungskrise wird der Ruf der Verleger nach Schutz ihrer Geschäftsmodelle durch den Staat zunehmend lauter. In Deutschland diskutiert man daher die Einführung eines Leistungsschutzrechts auf Texte. Diese Pläne könnten tiefgreifende Verschlechterungen für Wissenschaftler, Blogger und Journalisten mit sich bringen. Christiane Schulzki-Haddouti analysiert fünf mögliche Optionen. […]

Die fünf Optionen

1. Enteignung der Urheber zugunsten der Verlage.
2. Einschränkung des Zitierrechts.
3. Die Textindustrie erhält dieselben Rechte wie die Musik- und Filmindustrie.
4. Die Verwertungsgesellschaften dürfen eine Internet-Abgabe einziehen.
5. Internet-Access-Provider und Mobilfunkbetreiber finanzieren eine Kulturflatrate.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Diskussion über ein Leistungsschutzrecht ein ganzes Fass an Optionen öffnet, die allesamt für medienpolitischen Zündstoff sorgen. Am wahrscheinlichsten ist noch die Umsetzung einer Kulturflatrate für Wortprodukte. Ob die bestehenden Verwertungsgesellschaften den Anforderungen einer Kulturflatrate derzeit gewachsen sind, ist zu bezweifeln. Mahnte doch die EU-Kommission bisher vergeblich an, dass diese wesentlich transparenter handeln müssten. So sind etwa Inhalt und Durchführung von Verträgen der Gesellschaften untereinander öffentlich nicht bekannt.

Jeder der angeführten Ansätze für ein neues Leistungsschutzrecht wirft zahlreiche neue Fragen auf: Sollen vornehmlich die Verleger davon profitieren, die eventuell und auch nur indirekt die Einnahmen an die eigentlichen Urheber, die Autoren, weitergeben würden? Oder sollten die Kreativen selbst unterstützt werden – die damit indirekt die Vermittler ihrer Leistungen, die Verlage, subventionieren würden? Sollte an beide Parteien gleichermaßen ausgeschüttet werden? Oder sollte besser alles beim Alten bleiben? Die Kernfrage lautet jedenfalls, wie eine eventuell anfallende Internet-Abgabe gerecht verteilt werden könnte.“

futurezone.ORF.at


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