Feindbild: Peter Thiel?

Peter Thiel polarisiert. Zunehmend wird er nicht mehr als Unternehmer behandelt, dessen Entscheidungen man hinterfragen kann, sondern als Symbol für alles, was an der modernen Welt Angst macht. Er liefert selbst genug Material: PayPal-Mitgründer, erster Facebook-Investor, Palantir, Anduril, Trump-Unterstützer. Keiner dieser Punkte ist für sich genommen ein Vorwurf. Sie werden es erst, wenn man sie als Narrativ arrangiert.

Die Gesellschaft verändert sich schneller, als die meisten verarbeiten können. Die Menschen spüren den Kontrollverlust und suchen eine Erklärung. Sich strukturell mit den Ursachen auseinanderzusetzen ist anstrengend. Einen Schuldigen zu benennen ist einfach. Und Medien wissen, dass Angst plus Feindbild gleich Reichweite bedeutet. In Deutschland und Europa kommt hinzu, dass es an Schuldigen von außen keinen Mangel gibt. Das lenkt von der unbequemen Frage ab, was man selbst versäumt hat.

Dabei geht etwas Grundsätzliches verloren. Konträres Denken hat Wert. Fortschritt entsteht fast immer dort, wo eine Mehrheit sich geirrt hat. Wer sich bewusst gegen den Konsens stellt, verdient, dass man sich mit seinen Thesen auseinandersetzt.