Am Freitag, den 10. Oktober 2025, erlebte Bitcoin den dramatischsten Absturz des Jahres: Innerhalb weniger Minuten stürzte der Kurs von 125.000 Dollar auf 104.000 Dollar – ein Verlust von über 16 Prozent. Was steckte hinter diesem historischen Krypto-Crash und welche Lehren können Investoren daraus ziehen?
Der Auslöser war eine überraschende Ankündigung von US-Präsident Donald Trump am Freitagnachmittag per Truth Social: hundertprozentige Zölle auf chinesische Importe ab dem 1. November. Die Ankündigung erfolgte als Reaktion auf Chinas Exportkontrollen für Seltene Erden. Der Zeitpunkt war entscheidend: Während traditionelle Aktienmärkte bereits für das Wochenende geschlossen waren, lief der 24/7-Kryptomarkt weiter und trug die volle Last der Panik. Innerhalb von 24 Stunden wurden Positionen im Wert von 19 Milliarden Dollar liquidiert – die größte Liquidations-Event in der Krypto-Geschichte. Insgesamt verlor der Kryptomarkt etwa 350 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung. Ethereum fiel um 21 Prozent, Dogecoin brach zeitweise um 50 Prozent ein.
Das eigentliche Problem war nicht die geopolitische Nachricht, sondern die massive Überhebelung vieler Trader. Wer mit zehnfachem Hebel spekulierte und enge Stop-Loss-Marken bei fünf Prozent gesetzt hatte, wurde bei den ersten Kursbewegungen automatisch liquidiert. Diese Zwangsliquidationen verstärkten den Abwärtsdruck exponentiell – ein klassischer Leverage-Kaskadeneffekt. Während Gold als sicherer Hafen ein Rekordhoch über 4.000 Dollar erreichte und die Volatilität gelassen absorbierte, verhielt sich Bitcoin wie ein hochspekulativer Tech-Wert. Der Unterschied zeigt: Bitcoin ist noch kein digitales Gold, sondern ein risikobehaftetes Asset.
Trump deutete bereits am Freitag an, dass die Zölle noch verhandelbar seien. Am 30. Oktober 2025 trafen sich Trump und Xi Jinping in Südkorea und einigten sich auf eine einjährige Handelspause. Die angekündigten 100-Prozent-Zölle wurden fallengelassen, bestehende Fentanyl-Zölle von 20 Prozent auf 10 Prozent reduziert. Die Drohung war klassisches diplomatisches Theater für Verhandlungsmasse. Der Markt erholte sich in der charakteristischen V-Form. Bitcoin kletterte schnell wieder Richtung 115.000 Dollar, getrieben nicht von Retail-Investoren, sondern von institutionellem Kapital, das die Panik als Kaufgelegenheit nutzte.
Ein oft übersehener positiver Aspekt: Das Krypto-System funktionierte. Liquidationen wurden ordnungsgemäß durchgeführt, keine Verwahrstellen brachen zusammen, es gab keine dauerhaften Stablecoin-Abkopplungen. Auch im DeFi-Bereich wurden Liquidationen im Wert von 100 Milliarden Dollar ohne Systemausfälle abgewickelt. Im Vergleich zu FTX 2022 oder Terra-Luna war dieser Crash ein Beweis für die gewachsene Infrastruktur des Kryptomarktes. Die Sicherheitsprotokolle bestanden ihren Stresstest.
Die fundamentalen Eigenschaften von Bitcoin blieben unverändert: Die maximale Versorgung bleibt bei 21 Millionen Coins, die Mining-Schwierigkeit steigt kontinuierlich, die regulatorische Klarheit in den USA nimmt zu. Institutionelle Adoption durch ETFs und professionelle Investoren wächst weiter. Analysten kalkulieren für Ende 2025 mit Bitcoin-Kursen zwischen 140.000 und 170.000 Euro, vorausgesetzt das makroökonomische Umfeld bleibt stabil.
Der Oktober 2025 war keine existenzielle Krise für Kryptowährungen, sondern eine gesunde Reinigung übergehebelter Positionen. Trader mit aggressiven Hebeln wurden ausgelöscht, langfristige Holder belohnt. Die wichtigsten Lehren: Leverage ist gefährlich in volatilen Märkten. Freitagnachmittag-Ankündigungen treffen den 24/7-Kryptomarkt mit voller Wucht. Institutionelle Investoren stabilisieren zunehmend durch antizyklisches Kaufverhalten. Kryptowährungen reagieren hochsensibel auf geopolitische Nachrichten, erholen sich aber schnell bei intakten Fundamentals. Enge Stop-Loss-Strategien können in extremer Volatilität zum Totalverlust führen.
Der Markt professionalisiert sich zunehmend. Langfristiges Denken und solides Risikomanagement schlagen kurzfristige Spekulation. Für Krypto-Investoren gilt: Politische Ankündigungen sind oft Verhandlungstaktik, keine finalen Entscheidungen. Wer ohne Hebel investiert und langfristig denkt, übersteht auch dramatische Flash Crashes. Die wachsende institutionelle Beteiligung durch ETFs und professionelle Investoren zeigt: Der Kryptomarkt reift und wird widerstandsfähiger gegen Panikverkäufe.
Quellen:
CNBC (2025): Trump puts extra 100% tariff on China imports, adds export controls on ‚critical software‘
CoinDesk (2025): Bitcoin Down 10%, ETH, XRP, SOL in Freefall on Trump Tariff
CNN Business (2025): Why crypto crashed when Trump renewed his trade war
CNBC (2025): What Trump and Xi agreed to in the U.S.-China trade truce
Time Magazine (2025): Trump and Xi Meeting: What to Know About the U.S.-China Deal